Lexikon
Weichholz – Technische Definition, Einteilung und Bearbeitung
Definition
Weichholz bezeichnet aus botanischer Sicht das Holz von Nadelbäumen (Gymnospermen). Die Bezeichnung ist systematisch-taxonomisch definiert und nicht ausschließlich durch die mechanische Härte bestimmt. Charakteristisch ist der vergleichsweise homogene anatomische Aufbau ohne Gefäße. Die Leit- und Festigkeitsfunktion übernehmen überwiegend Tracheiden. Harzkanäle können je nach Art zusätzlich vorhanden sein.
Werkstofftechnisch zeichnet sich Weichholz durch geringere Rohdichten im Vergleich zu Harthölzern aus. Typische atro-Rohdichten liegen zwischen ca. 350 kg/m³ und 550 kg/m³, in Einzelfällen auch darüber. Relevante Kennwerte sind Rohdichte (ρ), Elastizitätsmodul (E-Modul), Biegefestigkeit, Druckfestigkeit parallel zur Faser sowie Schwind- und Quellmaß. Aufgrund des linearen Faserverlaufs und der gleichmäßigeren Struktur weist Weichholz ein gutmütiges Zerspanungsverhalten auf.
Einteilung
Die Einteilung von Weichholz erfolgt nach mehreren technischen Kriterien:
1. Botanische Einteilung
- Kieferngewächse (Pinaceae)
- Zypressengewächse (Cupressaceae)
- Eibengewächse (Taxaceae)
2. Rohdichteklassen
- Leichte Weichhölzer (< 400 kg/m³)
- Mittlere Weichhölzer (400–500 kg/m³)
- Schwere Weichhölzer (> 500 kg/m³)
3. Technische Verwendung
- Konstruktionsholz (z.B. Bau- und Tragwerksanwendungen)
- Innenausbauholz
- Möbel- und Plattenrohstoff
- Verpackungs- und Palettenholz
4. Dauerhaftigkeit nach DIN EN 350
- Klasse 1 (sehr dauerhaft) bis Klasse 5 (nicht dauerhaft), abhängig von Holzart und Kern-/Splintholzanteil
Weichholzarten (technisch relevante Arten)
Fichte (Picea abies)
Kiefer (Pinus sylvestris)
Tanne (Abies alba)
Lärche (Larix decidua)
Douglasie (Pseudotsuga menziesii)
Zeder (Cedrus spp.)
Hemlock (Tsuga spp.)
Zypresse (Cupressus spp.)
Eibe (Taxus baccata)
Sitkafichte (Picea sitchensis)
Radiata Pine (Pinus radiata)
Weymouthskiefer (Pinus strobus)
Abgrenzung zu Hartholz
Im Gegensatz zu Hartholz besitzt Weichholz keine Gefäße (Poren), sondern eine überwiegend tracheidenbasierte Struktur. Dadurch ergeben sich geringere Dichten, niedrigere Werkzeugbelastungen und meist bessere Zerspanbarkeit. Mechanisch hochbeanspruchbare Anwendungen werden jedoch häufig durch größere Querschnitte oder konstruktive Maßnahmen kompensiert.
Bearbeitungshinweise – Bohren
- Standard-HSS- oder HM-Spiralbohrer ausreichend
- Hohe Schnittgeschwindigkeiten möglich (60–120 m/min)
- Geringe Vorschubkräfte erforderlich
- Ausfransungen bei Astbereichen beachten
- Harzverklebungen regelmäßig entfernen
- Unterlage verwenden zur Minimierung von Ausriss an Austrittskanten
Weichholz neigt bei stumpfen Werkzeugen zu Faseraufreißungen statt zu Brandspuren. Scharfe Schneiden sind entscheidend für saubere Bohrkanten.
Bearbeitungshinweise – Fräsen
- Hohe Drehzahlen mit moderatem Vorschub
- Ein- oder zweischneidige Fräser für sauberen Spanabtrag
- Geringe Zustelltiefe bei astreichen Bereichen
- Faserrichtung berücksichtigen
- Harzablagerungen regelmäßig entfernen
- Absaugung zur Vermeidung von Staub- und Harzansammlungen
Aufgrund der geringeren Dichte sind Schnittkräfte niedriger als bei Hartholz. Allerdings können unterschiedliche Jahrringdichten (Früh- und Spätholz) zu welligen Oberflächen führen. Optimierte Vorschubparameter reduzieren dieses Effektbild.
Zusammenfassung
Weichholz ist ein technisch vielseitiger, leicht zu bearbeitender Werkstoff mit günstiger Rohdichte und gutem Verhältnis von Festigkeit zu Gewicht. Für konstruktive Anwendungen im Bauwesen sowie für die industrielle Serienfertigung bietet es hohe Wirtschaftlichkeit bei gleichzeitig kontrollierbaren mechanischen Eigenschaften.